Aus Liebe machen wir wahrscheinlich die absurdesten, verrücktesten und auch schönsten Dinge. Und aus eben diesem Grund – aus Liebe zur Typografie – sammeln Barbara Dechant und Anja Schulze Buchstaben und Schriftzüge aller Art. Große, kleine, bunte, leuchtende, historische und ganz besonders diejenigen, die eine unglaubliche Geschichte erzählen.


Zur Zeit trifft man einige dieser spannenden Geschichten im Schaudepot in Berlin. Betritt man den kleinen, von außen unscheinbaren ersten Austellungsraum wird man direkt von einem beeindruckend großem Sparkassen S samt typischen Punkt empfangen. Gleich daneben stellt sich ein, mit roter Acrylfront, gut erhaltender Hertie-Schriftzug vor. Bilder von sonnigen Familieneinkaufstagen, zu denen Hertie so selbstverständlich gehörte wie das Fischbrötchen von Nordsee zu Mittag, werden in meinen Erinnerungen wach. Und ich verstehe wie dieses Wort viel mehr erzählt als man den sechs Buchstaben anfangs zutrauen würde. Barbara, eine der beiden Gründerinnen des Verein Buchstabenmuseum e.V., gesellt sich zu uns und verrät, was es mit dem Logo auf sich hat. Im Sommer 2009 wurde der letzte Schriftzug von ehemaligen Hertie-Angestellten, nach Schließung der verbliebenen 20 Filialien symbolisch in der Spree versenkt. Sie konnte den Schriftzug noch rechtzeitig mit Kränen rausfischen lassen und so vor dem Untergang retten.


Mit dem Verschwinden vieler traditioneller, oft auch regionaler Unternehmen, gehen ganze Schriften und mit ihnen natürlich viele Erinnerungen verloren. Darum hat es sich der Verein Buchstabenmuseum e.V. zum Ziel gemacht, Buchstaben und Zeichen zu bewahren, zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – unabhängig von Kultur, Sprache und Schriftsystem. Schaut man sich weiter in dem Museum um sieht man die berühmten ‚Zierfische‘ im Schaufenster ihre Runden drehen, auf dem Boden thronen fast unscheinbar die gelben Buchstaben des Ebbinghaus‘, ein ehemals in der DDR exquisites Modehaus am Spittelmarkt, das nun einem Hotel weichen wird. Die Geschäftskennzeichnung ‚Schuhe‘ in Script-Schrift flirtet mich souverän aus der Mitte des Raumes an, während sich in der Ecke die blauen ‚Wertheim‘-Buchstaben in Sans Serif breit machen. Je länger man sich im Schaudepot aufhält, desto mehr Schätze aus vergangenen Zeiten wird man entdecken und zu jedem können die beiden Frauen zahlreiche Anekdoten erzählen, die die Buchstaben mit Leben füllen. So wird aus dem ersten und einzigen Buchstabenmuseum der Welt ein nachhaltiges ABC-Recycling-Unternehmen – in einigen Fällen sogar ein nachhaltiges Upcycling-Unternehmen.


Aus Begeisterung (und vielleicht auch aus Liebe) zu diesem schönen Projekt möchte ich wahnsinnig gerne meinen kleinen nachhaltigen Beitrag leisten und dem Buchstabenmuseum eine bewegte Geschichte vermachen, eine, die sich in nur vier Buchstaben erzählen lässt. Jeder Buchstabe liegt mir sehr am Herzen und steht für Unterhaltung vom Feinsten! Drückt mir die Daumen, dass mein Plan aufgeht und das Museum um ein Logo reicher werden darf.